Pflege Info

Was Sie über Pflege wissen sollten

Die Grundlagen für Pflegeleistungen sind in der gesetzlichen Krankenversicherung und in der gesetzlichen Pflegeversicherung verankert. Im Nachfolgenden eine kleine Übersicht über die jeweiligen Leistungen dieser Sozialversicherungen.

Die Pflegeversicherung

Die Pflegeversicherung wurde im Jahre 1994 beschlossen. Seit dem 01.05.1995 gibt es die Leistungen für die Pflege im häuslichen Bereich, seit 1996 auch Leistungen für die Pflege in Heimen. Erhebliche Änderungen der Pflegeversicherung gab es ebenfalls in den Jahren 2008 und 2012.

Durch das dreistufige Pflegestärkungsgesetzt wird die Pflege in Deutschland derzeit den großen Herausforderungen des demographischen Wandels und des verbundenen Fachkräftemangels angepasst. Schritt 1bildete 2015 das Pflegestärkungsgesetzt (PSG) I, in dem die Dynamisierung von Leistungen und angepasste Leistungshöhen umgesetzt wurden. Außerdem wurde der Leistungsanspruch für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (insbes. Demenz) erweitert. Am 1. Januar 2017 trat die zweite Stufe des Pflegestärkungsgesetztes in Kraft. Hiermit sind die größten Anpassungen der Pflege seit der Einführung verbunden.

Pflegegrade (PG)

In der gesetzlichen Pflegeversicherung werden seit 01.01.2017 fünf Pflegegrade unterschieden. Dabei bildet der Pflegegrad 1 eine präventive Vorstufe, welche eine spätere umfänglichere Pflegebedürftigkeit verhindern oder zumindest hinausschieben soll. Hier stehen bereits Leistungen für Wohnraumanpassungen, Beratungen oder für Betreuung zur Verfügung. Pflegegeld, Sachleistungen etc. stehen ab Pflegegrade 2 bis 5 zur Verfügung.

Zentrales Ziel des PSG II ist die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und einer neuen Systematik der Beurteilung/Einschätzung der Pflegebedürftigen. Hierdurch wird der zunehmenden Zahl von demenziell erkrankten Menschen Rechnung getragen, da bei der Beurteilung nicht nur die körperliche Einschränkung bewertet wird, sondern die Selbständigkeit eines Menschen im Rahmen seines gesamten sozialen und räumlichen Umfelds. Dabei werden folgende  sechs Lebensbereiche bewertet:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Den Gesetzestext zur Pflegeversicherung finden Sie im Sozialgesetzbuch XI (SGB XI).  Im Folgenden finden Sie eine Übersicht zu den wichtigsten Leistungen (Stand 01.01.2017):

Pflegesachleistung nach Pflegegrad

Der Bezug von Sachleistungen ist möglich, wenn die Pflege durch professionelle Pflegekräfte eines Pflegedienstes erbracht wird. Die Sachleistungen können auch für den Besuch der Tagespflege verwendet werden.

Pflegegrad 1:         0 €

Pflegegrad 2:     689 €

Pflegegrad 3:  1.298 €

Pflegegrad 4:  1.612 €

Pflegegrad 5:  1.995 €

Geldleistung nach Pflegegrad

Geldleistung wird als Pflegegeld gezahlt. Dies erfolgt, wenn Angehörige, Freunde oder Nachbarn die nötige Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung für den Pflegebedürftigen übernehmen.

Pflegegrad 1:         0 €

Pflegegrad 2:     316 €

Pflegegrad 3:     545 €

Pflegegrad 4:     728 €

Pflegegrad 5:     901 €

Tagespflege nach Pflegegrad

Seit dem 1. Januar 2017 wird die Unterbringung in einer Einrichtung der Tages- und Nachtpflege noch stärker gefördert. Die je nach Pflegegrad zustehenden Leistungen sind in der folgenden Tabelle aufgelistet:

Pflegegrad 1:         0 €

Pflegegrad 2:     689 €

Pflegegrad 3:  1.298 €

Pflegegrad 4:  1.612 €

Pflegegrad 5:  1.995 €

Kombinationsleistung

Sachleistung und Geldleistung können beliebig miteinander kombiniert werden. Die Aufteilung kann fest sein, wie zum Beispiel zu 50 Prozent Pflegesachleistungen und zu 50 Prozent Pflegegeld. Die Kombinationsleistung kann aber auch variabel an die Pflege angepasst werden (wechselnde Leistungsaufteilung).

Verhinderungspflege

Die Verhinderungspflege (auch „Urlaubspflege“ genannt) kann bei Ausfall der Pflegeperson in Anspruch genommen werden. Es besteht ein 42-tägiger Anspruch pro Jahr. Während einer Verhinderungspflege werden 50 % des Pflegegeldes für bis zu sechs Wochen gewährt. Die Pflegekasse erstattet die entstandenen Kosten bis zu einem Betrag in Höhe von 1.612,- Euro. Sofern der Betrag der Kruzzeitpflege nicht beansprucht wurde, kann die Verhinderungspflege um bis zu 806,- Euro erhöht werden, sodass insgesamt bis zu 2.418,- Euro bezogen werden können.

Kurzzeitpflege

Im Rahmen der Pflegeversicherung ist die Unterbringung in eine Einrichtung der Kurzzeitpflege möglich. Die Kosten werden je nach Pflegegrad (1 bis 5) einmal pro Jahr für maximal acht Wochen in Höhe bis zu einem Betrag in Höhe von 1.612,- Euro übernommen. Es kann zusätzlich der Leistungsbetrag der Verhinderungspflege von bis zu 1.612,- Euro in Anspruch genommen werden. Dadurch stehen bis zu 3.224,- Euro zur Verfügung.

Pflegehilfsmittel / Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

Die Kosten für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel (z.B. Krankenunterlagen) werden ab Pflegegrad 1 übernommen. Des weiteren werden Zuschüsse bis zu 4000 € /Jahr für Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnumfeldes gewährt.

Stationäre Pflege

Wer in einem Pflegeheim versorgt werden muss, erhält seit dem 01. Januar 2017 Leistungen der Pflegeversicherung bis zu 2.005,- Euro monatlich bei Pflegegrad 5. Für Unterkunft und Verpflegung müssen die Pflegebedürftigen selbst aufkommen. Gegebenenfalls kann auch Wohngeld und Sozialhilfe beantragt werden.

Anträge auf Leistungen der Pflegeversicherung

Leistungen der häuslichen oder stationären Pflege gibt es nur auf Antrag. Ihre Pflegeversicherung / Krankenkasse hält Antragsformulare für Sie bereit. Der Antrag sollte sofort bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit gestellt werden. Gerne helfen wir Ihnen bei der Antragsstellung. Dem Antrag folgt die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Kasse (MDK) im Rahmen eines Hausbesuchs. Sofern der MDK eine Pflegebedürftigkeit feststellt hat, erhalten Sie Leistungen entsprechend der Pflegestufe ab dem Monat der Antragstellung.

Leistungen der Krankenkasse

Die Leistungen der häuslichen Krankenpflege (Behandlungspflege) im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung sind im § 37 des SGB V geregelt. Die entsprechenden Absätze lauten:

  • Abs. 1 Versicherte erhalten in ihrem Haushalt oder ihrer Familie neben der ärztlichen Behandlung häusliche Krankenpflege durch geeignete Pflegekräfte, wenn Krankenhausbehandlung geboten, aber nicht ausführbar ist, oder wenn sie durch die häusliche Krankenpflege vermieden oder verkürzt wird.
    Die häusliche Krankenpflege umfasst die im Einzelfall erforderliche Grund- und Behandlungspflege sowie hauswirtschaftliche Versorgung. Der Anspruch besteht bis zu vier Wochen (28 Tage) je Krankheitsfall. In begründeten Ausnahmefällen kann die Krankenkasse die häusliche Krankenpflege für einen längeren Zeitraum bewilligen, wenn der Medizinische Dienst (§ 275) festgestellt hat, dass dies aus den in Satz 1 genannten Gründen erforderlich ist.
  • Abs. 2 Versicherte erhalten in ihrem Haushalt oder ihrer Familie als häusliche Krankenpflege Behandlungspflege, wenn sie zur Sicherung des Ziels der ärztlichen Behandlung erforderlich ist. Die Satzung kann bestimmen, dass die Krankenkasse zusätzlich zur Behandlungspflege nach Satz 1 als häusliche Krankenpflege auch Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung erbringt. Die Satzung kann dabei Dauer und Umfang der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung nach Satz 2 bestimmen. Leistungen nach den Sätzen 2 und 3 sind nach Eintritt von Pflegebedürftigkeit im Sinne des Elften Buches nicht zulässig.
  • Abs. 3 Der Anspruch auf häusliche Krankenpflege besteht nur, soweit eine im Haushalt lebende Person den Kranken in dem erforderlichen Umfang nicht pflegen und versorgen kann.
  • Abs. 4 Kann die Krankenkasse keine Kraft für die häusliche Krankenpflege stellen oder besteht Grund, davon abzusehen, sind den Versicherten die Kosten für eine selbstbeschaffte Kraft in angemessener Höhe zu erstatten.

Darüber hinaus hat der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen einen abschließenden Katalog verordnungsfähiger Leistungen im Rahmen einer Richtlinie erlassen. Diese Richtlinie steht Ihnen zum Download zur Verfügung.